Ein BFSG-Check Ihrer Website ist der erste Schritt zur Einhaltung des deutschen Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes. Ein automatisierter Scan erkennt etwa 30 bis 40 Prozent der Probleme — fehlende Alt-Texte, Kontrastfehler, nicht beschriftete Formularfelder — in unter zwei Minuten. Die verbleibenden 60 Prozent erfordern jedoch manuelle Tests: Tastaturnavigation, Screenreader-Prüfungen und Bewertung der kognitiven Belastung. Dieser Leitfaden führt Sie durch beide Methoden, gibt Ihnen einen Bewertungsrahmen und zeigt genau, wo Ihre Website steht.
Was ein BFSG-Check tatsächlich prüft
Ein BFSG-Konformitätscheck bewertet, ob Ihre Website die in EN 301 549 definierten technischen Anforderungen erfüllt, die auf WCAG 2.1 Level AA abgebildet sind. Das bedeutet die Prüfung von 50 Erfolgskriterien in vier Kategorien: Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich und Robust.
Ein gründlicher BFSG-Check geht über das bloße Ausführen eines Scanners hinaus. Er sollte drei Ebenen abdecken: automatisierte Erkennung von Code-Problemen, semi-automatisierte Tests mit geführten manuellen Prüfungen und rein manuelle Tests mit Tastaturnavigation und Screenreadern.
Das BFSG verlangt zudem eine veröffentlichte Erklärung zur Barrierefreiheit. Ihr Check sollte überprüfen, ob diese existiert, die erforderlichen Informationen enthält und den tatsächlichen Zustand Ihrer Website widerspiegelt.
Automatisierte BFSG-Scanning-Tools
Automatisierte Tools sind Ihr Ausgangspunkt. Sie crawlen Ihre Seiten, untersuchen HTML und CSS und markieren Verstöße gegen WCAG 2.1 AA-Kriterien. Die besten Tools prüfen auf Kontrastverhältnisse unter 4,5:1, Bilder ohne Alt-Attribute, Formulareingaben ohne zugeordnete Labels, fehlende Dokumentsprache, Überschriftenhierarchie-Verstöße und falsch verwendete ARIA-Rollen.
Ein kostenloser Scan mit Web Accessibility Checker liefert einen sofortigen Konformitätswert, eine priorisierte Liste von Problemen und spezifische Code-Level-Korrekturen. Der Scanner testet gegen EN 301 549 und ordnet Ergebnisse direkt den BFSG-Anforderungen zu.
Weitere seriöse automatisierte Tools sind axe DevTools, WAVE von WebAIM und Lighthouse. Keines dieser Tools erkennt jedoch alles. Eine Studie des UK Government Digital Service ergab, dass kein einzelnes Tool mehr als 42 Prozent der WCAG 2.1 AA-Fehler erkannte.
Warum automatisierte Tests nicht ausreichen
Automatisierte Tools sind hervorragend bei strukturellen Code-Problemen, aber schwach bei Kontext. Kann ein Screenreader-Nutzer den Zweck dieses Links verstehen? Ist die Fehlermeldung in diesem Formular wirklich hilfreich? Ergibt die Tab-Reihenfolge durch den Checkout logischen Sinn? Diese Fragen erfordern menschliches Urteilsvermögen.
Die GDS-Studie ergab, dass 58 Prozent der Barrierefreiheitsprobleme manuelle Bewertung erforderten. Sich ausschließlich auf automatisierte Scans zu verlassen, schafft ein gefährliches falsches Sicherheitsgefühl. Eine Website, die alle automatisierten Prüfungen besteht, kann immer noch schwerwiegende Barrieren für Menschen mit Behinderungen aufweisen — und trotzdem eine Abmahnung erhalten.
Manuelle Tests: Tastatur und Screenreader
Beginnen Sie mit Tastaturtests. Trennen Sie Ihre Maus ab und versuchen Sie, wichtige Aufgaben auf Ihrer Website nur mit Tab, Enter, Escape und den Pfeiltasten zu erledigen. Können Sie jedes interaktive Element erreichen? Sehen Sie jederzeit, wo der Fokus liegt? Können Sie Dropdown-Menüs, modale Dialoge und Karussells bedienen?
Tastaturfallen sind ein häufiger BFSG-Verstoß. Sie treten auf, wenn der Fokus eine Komponente betritt, aber nicht mit Standard-Tastatursteuerungen verlassen kann. Dies ist ein WCAG 2.1.2-Fehler und ein klarer BFSG-Verstoß.
Testen Sie anschließend mit einem Screenreader. NVDA (kostenlos, Windows) und VoiceOver (in macOS integriert) sind die meistgenutzten. Navigieren Sie Ihre gesamte Website und hören Sie, wie der Screenreader Überschriften, Links, Formularlabels und dynamische Inhalte vorliest.
BFSG-Konformitäts-Bewertungsrahmen
Die Quantifizierung Ihres Konformitätsniveaus hilft bei der Priorisierung von Korrekturen und der Verfolgung des Fortschritts.
Stufe A — Automatisierter Test bestanden (0-40 Punkte): Alle automatisierten Prüfungen bestanden. Keine kritischen Code-Verstöße. Kontrastverhältnisse erfüllen Mindestwerte. Alle Bilder haben Alt-Text. Alle Formulare haben Labels.
Stufe B — Tastaturzugänglich (41-70 Punkte): Alle interaktiven Elemente per Tastatur erreichbar und bedienbar. Keine Tastaturfallen. Sichtbare Fokusindikatoren.
Stufe C — Screenreader-kompatibel (71-90 Punkte): Inhalte werden in logischer Reihenfolge gelesen. Dynamische Aktualisierungen über ARIA Live Regions angekündigt.
Stufe D — Vollständige Konformität (91-100 Punkte): Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlicht. Feedback-Mechanismus funktionsfähig. Laufende Überwachung eingerichtet.
Die meisten nie auditierten Websites erreichen 15 bis 30 Punkte auf diesem Rahmen.
Ihren ersten BFSG-Check durchführen: Schritt für Schritt
Schritt 1: Automatisierter Scan. Lassen Sie Ihre Startseite, eine Produktseite, Ihre Checkout-Seite und Ihr Kontaktformular durch Web Accessibility Checker laufen.
Schritt 2: Erklärung zur Barrierefreiheit prüfen. Existiert sie? Enthält sie das beanspruchte Konformitätsniveau, das Datum der letzten Bewertung, eine Beschreibung bekannter Einschränkungen und Kontaktinformationen? Nutzen Sie unseren Generator für Barrierefreiheitserklärungen.
Schritt 3: Tastatur-Durchgang. Verbringen Sie 30 Minuten damit, Ihre Website nur mit der Tastatur zu navigieren.
Schritt 4: Screenreader-Schnelltest. Aktivieren Sie VoiceOver oder installieren Sie NVDA. Navigieren Sie Ihre Startseite und einen wichtigen Nutzerfluss.
Schritt 5: Priorisieren und beheben. Beheben Sie kritische Probleme zuerst: Tastaturfallen, fehlende Formularlabels, Null-Kontrast-Text und die Barrierefreiheitserklärung.
Wie oft sollten Sie einen BFSG-Check durchführen?
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt. Inhalte ändern sich, neue Funktionen werden ausgeliefert, Drittanbieter-Widgets werden aktualisiert, und die Konformität driftet ab. Ein verantwortungsvoller Ansatz umfasst automatisierte Scans nach jedem Deployment, eine vollständige manuelle Prüfung vierteljährlich, ein umfassendes Drittanbieter-Audit jährlich und Stichproben bei neuen Seitenvorlagen.
Das BFSG schreibt keine Prüfhäufigkeit vor, aber Vollzugsbehörden und Gerichte werden prüfen, ob Sie angemessene laufende Bemühungen unternommen haben. Die Einrichtung einer kontinuierlichen Überwachung ist der kosteneffektivste Ansatz.
Häufige BFSG-Check-Fehler in deutschen Online-Shops
Nach dem Scannen hunderter deutscher E-Commerce-Websites zeigen sich wiederkehrende Muster: Produktbild-Karussells, die den Tastaturfokus einfangen und keinen Alt-Text haben. Cookie-Consent-Banner, die nicht per Tastatur geschlossen werden können. Filter- und Sortiersteuerungen mit benutzerdefiniertem JavaScript, die Screenreader nicht bedienen können. Checkout-Formulare mit visuellen, aber nicht angekündigten Fehlermeldungen. Suchvorschlags-Dropdowns, die für Screenreader unsichtbar sind.
Die Behebung dieser spezifischen Muster deckt einen großen Prozentsatz der realen BFSG-Verstöße im E-Commerce ab. Beginnen Sie mit Ihrem Checkout-Flow — er ist der Bereich mit dem höchsten Risiko.