Deutsche Online-Shops stehen vor spezifischen BFSG-Herausforderungen, die informationelle Websites nicht haben. Produktfilter, die nur mit der Maus funktionieren. Warenkörbe, die den Tastaturfokus einfangen. Checkout-Formulare, die Fehler nur visuell anzeigen. Zahlungs-Widgets von Drittanbietern, die Ihr Team nicht gebaut hat, für deren Barrierefreiheit Ihr Unternehmen aber rechtlich verantwortlich ist. Dieser Leitfaden behandelt, was das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz speziell vom E-Commerce verlangt.
Warum Online-Shops ein höheres BFSG-Risiko tragen
Das BFSG stuft E-Commerce als abgedeckte Dienstleistungskategorie ein. Jeder Online-Shop, der an Verbraucher in Deutschland verkauft, muss sich an das Gesetz halten — unabhängig vom Firmensitz. Die DataPulse-Studie testete 2.446 deutsche Online-Shops und fand 99 Prozent Nicht-Konformität. Die Abmahnungswelle ab August 2025 zielte fast ausschließlich auf Online-Shops ab.
Produktseiten: Bilder, Varianten und Bewertungen
Produktbilder brauchen Alt-Text, der das Produkt beschreibt. Variantenauswahl (Farbe, Größe) muss per Tastatur bedienbar sein. Sternebewertungen brauchen Textalternativen. Kundenbewertungen müssen navigierbar sein — dynamisch geladene Inhalte via aria-live ankündigen.
Produktfilter und Sortiersteuerungen
Facettennavigation ist der häufigste Fehlerpunkt. Jede Filtersteuerung muss mit Enter oder Leertaste bedienbar sein. Preisbereich-Slider brauchen Tastaturalternativen. Bei Filteranwendung müssen die Ergebnisse angekündigt werden. Aktive Filter müssen sichtbar und per Tastatur entfernbar sein.
Warenkorb-Barrierefreiheit
Die "In den Warenkorb"-Bestätigung braucht eine Screenreader-Ankündigung via aria-live. Der Mini-Warenkorb muss per Tastatur navigierbar sein. Mengenänderungen brauchen Labels mit Produktnamen. Der "Zur Kasse"-Button muss ohne Durchblättern aller Warenkorb-Artikel erreichbar sein.
Checkout-Flow: Der Bereich mit dem höchsten Risiko
Adressformulare müssen Browser-Autofill mit korrekten autocomplete-Attributen unterstützen. Mehrstufige Checkouts brauchen barrierefreie Fortschrittsanzeigen. Inline-Validierung muss Fehler in Echtzeit ankündigen. Fehlerbehebung muss möglich sein, ohne alle Daten erneut einzugeben (WCAG 3.3.4).
Barrierefreiheit bei Zahlungsintegrationen
Drittanbieter-Zahlungs-Widgets sind unter dem BFSG Ihre rechtliche Verantwortung. Testen Sie jede Zahlungsmethode mit Tastaturnavigation. Bieten Sie mindestens eine barrierefreie Zahlungsmethode an (Überweisung, Rechnung), um Ihr rechtliches Risiko zu reduzieren.
Suchfunktion
Die Sucheingabe braucht ein Label. Autocomplete-Vorschläge müssen mit Pfeiltasten navigierbar und mit Enter auswählbar sein. Suchergebnisseiten müssen die Ergebnisanzahl ankündigen.
Cookie-Consent und Overlays
Cookie-Banner müssen per Tastatur navigierbar sein. Der Fokus muss am Banner beginnen. Nach der Auswahl muss der Fokus zum Hauptinhalt wechseln. Prüfen Sie Ihre CMP-Konfiguration und aktivieren Sie den WCAG-Modus.